Gerry © AVS Terenten

Gerry, deinen letzen Gipfel hast du erreicht, der Ausblick ist grenzenlos.

Nach einer AVS-Sitzung im Dezember 2011 hast du von deinem neuen Hybridauto erzählt, und dass dir immer übel wurde, wenn du ins Dorf gefahren bist oder nach Brixen zur Arbeit. Du hast im Internet recherchiert, wieso das so ist, und du hast herausgefunden, dass das auch anderen schon so widerfahren ist.

Du wolltest im Jänner 2012 nach Afrika reisen, um bei einem Hilfsprojekt mitzuarbeiten. Aber dazu kam es nicht mehr, denn zwei Tage vor dem Urlaub hattest du einen Arbeitsunfall und hast dir dabei das Schienbein gebrochen. Im Krankenstand hat sich dein Gesundheitszustand verschlechtert, und du bist nicht mehr zur nächsten AVS-Sitzung gekommen, obwohl du in den 18 Jahren im Ausschuss fast nie gefehlt hast. Du musstest ins Brunecker Krankenhaus zur Kontrolle, und die schockierende Diagnose war: Leukämie.

Am 13. Jänner 2013 brachten sie dich direkt nach Bozen ins Krankenhaus. Von da an begann deine härteste Tour und ein Leidensweg, bei welchem wir versuchten, in deiner Nähe zu sein und dir Halt zu geben. Wirklich helfen konnten wir dir nicht. Mit dir verlieren wir ein zuverlässiges Ausschussmitglied, einen guten Freund und einen Menschen, der in der Dorfgemeinschaft einen festen Platz hatte.

Bilder © AVS Terenten

Schon in deinen jungen Jahren hast du dich für die Natur interessiert und für die Aktivitäten, die man da ausüben kann. Bereits in der 3. Mittelschule hast du die erste Skitour unternommen, mit normalen Skischuhen und ohne Steigfelle, mit den normalen Pistenskiern auf den Schultern seid ihr in Richtung Pichlerberg losgezogen. Nach der Stockwiese war ein Weiterkommen ohne Steigfelle nicht mehr möglich. Weitere abenteuerliche Touren folgten in den Terner Bergen.

1988 bist du dem Alpenverein beigetreten und hast dich da sehr wohlgefühlt. Immer wenn etwas zu helfen war, warst du da. Immer wenn etwas Neues zu errichten war, warst du an erster Stelle, wie z.B. beim Bau der ersten Kletterwand für das Kinderfest, mit einem Maurergerüst und Spanplatten mit Holzgriffen. Auch deine abenteuerlichen Klettertouren waren unvergessliche Erlebnisse, manchmal bist du wieder rückwärts geklettert, um einen Klemmkeil oder Express zu holen.

1996 bist du in den AVS-Ausschuss gewählt worden. Du hast verschiedene Aufgaben, unter anderem Hüttenwart, Jugendwart, Tourenleiter und Tourenwart, wahrgenommen und dich mit großer Freude und Pflichtbewusstsein eingebracht. Wichtig waren dir dabei auch eine solide Ausbildung und eine ständige Weiterbildung.
Durch deine Erfahrung im Bereich Lawinen wurdest du auch Mitglied in der Lawinenkommission. Es gab auch eine kurze, aber intensive Mountainbike-Zeit. Berüchtigt waren deine Abfahrten und Stürze, die du hingelegt hast. Gröberes ist aber nie passiert. Nur deinem Rücken hat das Radfahren nicht besonders gut getan. Daher hast du auch alsbald die Rad-Touren weitestgehend eingestellt.Dann kam die Zeit des Snowboardens. Auch hier war dir kein Hang zu steil und keine Piste zu eisig. Scharfkantig und stilistisch perfekt, bist du zu Tale geboardet.

Wichtig war dir jedoch neben den verschiedenen Freizeitaktivitäten auch die Arbeit. Die Passion zum Holz hat dich veranlasst, Zimmermann zu werden. Mit Freude und Einsatz bist du deiner Arbeit nachgegangen und hast am Bau vieler Dachstühle und Holzkonstruktionen mitgewirkt. Aufgrund anhaltender Rückenschmerzen sahst du dich veranlasst, Arbeit zu wechseln, und hast dank deiner Tüchtigkeit und Erfahrung eine Arbeit gefunden, die gut zu dir passte und körperlich weniger anspruchsvoll war. Neben dem Alpenverein hat dich auch der Theaterverein interessiert. Leidenschaftlich hast du an verschiedenen Vorstellungen mitgewirkt und auch beim Bühnenbau aktiv mitgearbeitet.

Bilder © AVS Terenten

Deine größte Freude waren jedoch Skitouren mit steilen Abfahrten. Hierzu gehörten die Abfahrten durch die Hochfeiler Nordwand, verschiedene Rinnen in den Dolomiten und sämtliche Rinnen in den Terner Bergen. Beim Klettern stand bei dir weniger der Schwierigkeitsgrad im Vordergrund, sondern mehr der Genuss. So hast du die gelbe Kante durchstiegen, die Peitlerkofel-Nordwand bezwungen, bist die Schlernkante hochgeklettert. Dazu kommen noch viele, viele andere Touren.

Kreativ tätig warst du auch bei diversen Vorbereitungen für den AVS-Ball, warst stets Anführer der Pionier-Skitour, hast bei der Gestaltung der Faschingsumzüge aktiv mitgearbeitet, und auch die Herz-Jesu-Feuer waren dir ein wichtiges Anliegen. Du warst einfach immer zur Stelle, wenn es darum ging, etwas zu tun. Besondere Freude hat dir die Führung von Touren bereitet. Gerne sind die Teilnehmer mit dir gegangen und bewunderten stets deine Professionalität und gute Vorbereitung. Du hast Ruhe ausgestrahlt und stets alle Teilnehmer sicher hinauf- und wieder heruntergebracht. Ins Dorfleben warst du voll eingebunden, und in verschiedenen geselligen Runden war deine Anwesenheit stets eine Bereicherung.

In deinen letzten eineinhalb Jahren hast du aber deine wahre Größe gezeigt. Du hast gegen die Krankheit angekämpft, und wir haben mit dir gehofft und gebangt. Wir wollten nicht einsehen, dass dich diese Krankheit vereinnahmt hat. Die Art und Weise, wie du damit umgegangen bist, hat uns bleibend beeindruckt. Gerry, du wirst uns und dem ganzen Dorf fehlen, und du hinterlässt eine Lücke, die nicht gefüllt werden kann. Wir werden dich stets in positiver Erinnerung behalten und uns immer mit Freude an die gemeinsame Zeit erinnern. Danke!